Warum sich ein Austauschjahr auf jeden Fall lohnt

Théo Gologossidis besuchte im Schuljahr 2025/26 als Austauschschüler die Kantonsschule Im Lee und war Teil der Klasse 3g. Im Rahmen des Halbklassenunterrichts im Fach Deutsch hielt er die folgende Rede, die wir hier als Audio mit Text veröffentlichen.

Viel Vergnügen beim Zuhören und Mitlesen!

Alexandra Hauenstein

Warum sich ein Austauschjahr auf jeden Fall lohnt

Heute möchte ich mit euch über ein sehr interessantes Thema sprechen – darüber, warum sich ein Austauschjahr auf jeden Fall lohnt.

Viele Menschen könnten denken: Ein Austauschjahr ist Zeitverschwendung. Schliesslich verbringt man fast ein ganzes Jahr fern von seinem Heimatland, fern von seinen Freund:innen, die man mag, fern von der eigenen Familie, die man liebt und schätzt. Ausserdem ist man mit vielen unbekannten Dingen konfrontiert, an die man noch nicht gewöhnt ist. Hinzu kommt, dass man vielleicht kurz vor dem Abschluss eines Schuljahres steht und auf keinen Fall riskieren möchte, ein ganzes Jahr wiederholen zu müssen.

Doch genau aus diesen und vielen anderen Gründen sage ich euch: Ein Austauschjahr lohnt sich wirklich.

Ich denke, dass es zwei Arten von Reichtum gibt: den materiellen Reichtum, den jeder kennt – Geld, Häuser, Autos –, und den immateriellen Reichtum. Dieser besteht aus allem, was einen Menschen geprägt hat, prägt und noch prägen wird, sowie aus der Art und Weise, wie er die Welt sieht und interpretiert. Dazu gehören Bildung, Erfahrungen, Erlebnisse und Einflüsse durch Menschen und die Umgebung. Ich denke dabei an das berühmte Zitat von Jean-Jacques Rousseau: „Der Mensch wird gut geboren, aber die Gesellschaft verdirbt ihn.“

Anhand vieler historischer Persönlichkeiten und ihrer Lebenswege können wir erkennen, wie sehr ein Auslandaufenthalt das Leben eines Menschen verändern und beeinflussen kann. Albert Einstein, geboren in Deutschland, entschied sich in seiner Jugend, seine Heimat zu verlassen und in der Schweiz zu studieren. Dort entwickelte er seine geistige Unabhängigkeit weiter, lernte Menschen kennen, die seine Ideen beeinflussten, und begann den Weg, der ihn später dazu führte, die Physik zu revolutionieren.

Nelson Mandela reiste und studierte in verschiedenen afrikanischen Ländern und besuchte ausserdem das Vereinigte Königreich. Im Kampf gegen die Apartheid nutzte er die Erfahrungen, die er auf seinen Reisen gesammelt hatte, als Grundlage für seine politische und diplomatische Strategie.

Oder denken wir an die berühmte Chemikerin Marie Curie. Sie wurde in Polen geboren und zog nach Paris, um dort an der Universität zu studieren. Durch grossen Fleiss, intensive Arbeit und viel Hingabe gelang es ihr, in einer Zeit, in der Frauen – besonders im intellektuellen Bereich – oft mit Geringschätzung behandelt wurden, zwei Nobelpreise zu gewinnen. Und viele weitere bekannte Persönlichkeiten wie Julius Cäsar, Mahatma Gandhi, Benjamin Franklin, Nikola Tesla, Charles Darwin, Sigmund Freud und unzählige andere machten Erfahrungen im Ausland oder hatten prägende internationale Erlebnisse und wurden zu bedeutenden Persönlichkeiten der Geschichte.

Und ich habe das Gefühl, dass ich mich heute ein wenig in all diesen Menschen wiederfinde(n) und sie besser verstehen kann. Durch meinen Austausch hat sich meine Sicht auf die Welt, auf andere Menschen und auf die Gesellschaft insgesamt enorm erweitert. Hier in der Schweiz hatte ich die Möglichkeit, in einem Umfeld zu leben, das völlig anders ist als das, was ich aus Brasilien gewohnt war. Die Kultur hier unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der Kultur meiner Heimat. Allein das war bereits eine Herausforderung, der ich mich jeden Tag stellen musste und an die ich mich anpassen musste. Dadurch bin ich als Mensch stärker geworden, habe mich weiterentwickelt und viele Erfahrungen gesammelt. Ich habe hier wunderbare Menschen mit den unterschiedlichsten Persönlichkeiten, Ideen und Denkweisen kennengelernt. Durch sie habe ich auch gelernt, mich selbst besser kennenzulernen und mit grösserer Sicherheit zu wissen, wer ich wirklich bin. Ausserdem habe ich hier viele Freundschaften geschlossen und die Möglichkeit gehabt, eine neue Sprache zu lernen: Deutsch.

Deshalb sage ich euch: Wenn ihr die Möglichkeit habt, ein Austauschjahr zu machen, dann nutzt sie. Es ist eine der prägendsten und zugleich schönsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann.

Das sind meine Gründe, warum sich ein Austauschjahr auf jeden Fall lohnt.

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! 

Eine Rede von Théo Gologossidis, Austauschschüler aus Brasilien – für die schriftliche Wiedergabe leicht angepasst und sprachlich überarbeitet
Bild: OpenAI. (2026). ChatGPT-generiertes Symbolbild zum Thema Austauschjahr in der Winterthur