Mirjam Müller-Scheiwiller, Geschichte
Liebe Mirjam
Schön, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview. Ich möchte gerne mit ein paar «Entweder-Oder-Fragen» beginnen. Bitte wähle jeweils eine der beiden Antwort-Optionen aus – du darfst deine Wahl natürlich gerne begründen.
Digitale Tafel oder klassische Kreide?
Digitale Tafel. Die Zeiten der Wandtafel sind an unserer Schule vorbei – bei meiner schlimmen Handschrift durchaus ein Vorteil für die Schüler:innen.
Frontalunterricht oder Gruppenarbeit?
Beides! Ich bin darum bemüht, die Schüler:innen zu selbständigem Arbeiten zu motivieren, aber ganz komme ich um den Frontalunterricht natürlich nicht herum. Hin und wieder gibt es kürzere Sequenzen, die ich liebevoll «Märlistunde mit Frau Müller» nenne – darin erläutere ich zentrale Aspekte der Geschichte im klassischen Frontalunterricht. Ich bin so begeistert von Geschichte, dass es mir manchmal schwerfällt, den Schüler:innen so viele Aspekte wie möglich eines Themas zu erklären. Ich versuche stets, mich kurzzufassen, auch wenn mir das nicht immer gelingt.
Noten oder schriftliches Feedback?
Schriftliches Feedback.
Schulbuch oder selbst erstelltes Material?
Selbst erstelltes Material, teilweise unter Einbezug von Schulbüchern.
Kaffee oder Tee?
Tee! Ohne meinen Darjeeling am Morgen bin ich für den Rest des Tages nicht besonders geniessbar.
Herzlichen Dank für deine spontanen Antworten. Jetzt wollen wir natürlich noch mehr über dich erfahren: Magst du dich kurz vorstellen?
Ja, klar. Ich lebe gemeinsam mit meiner Familie in einer Mehrgenerationen-WG, umgeben von einem grossen Garten – und mit einer Katze, die einen ausgeprägten Sinn für Dramatik hat. In meiner Freizeit koche ich mit Leidenschaft, am liebsten sizilianisch oder indisch. Ich beschäftige mich intensiv mit gesellschaftlichen Themen und tanze leidenschaftlich gern – sofern es mein oft ausgefüllter Alltag erlaubt.
Du unterrichtest das Fach Geschichte bei uns am Lee. Wie kam es dazu?
Geschichte war schon früh meine Leidenschaft. Während meine drei älteren Schwestern ins Verkehrshaus wollten, zog es mich stets zu Denkmälern und historischen Ruinen – Hauptsache Vergangenheit! Nach dem Abschluss an der Erwachsenenmaturitätsschule war es für mich ein echtes Privileg, Geschichte studieren zu dürfen. Ergänzt durch die Nebenfächer Ethnologie und Filmwissenschaft hat sich mein historischer Blick erweitert und vertieft.
Heute ist es mir ein zentrales Anliegen, diese Faszination im Unterricht weiterzugeben. Mein Ziel ist es, Geschichte lebendig, verständlich und bedeutsam zu vermitteln – nicht als Abfolge von Jahreszahlen, sondern als Schlüssel zum Verständnis unserer Gegenwart.
Wenn du eine Zeitreise machen könntest – in welche Epoche würdest du reisen und warum?
Ehrlich gesagt: Es gibt kaum eine Epoche, in die ich nicht gerne reisen würde. Meine Neugier ist einfach zu gross. Spontan zieht es mich allerdings ins Angkor des 13. Jahrhunderts: eine riesige Metropole mitten im Dschungel, die heute fast vollständig vom Urwald verschluckt ist. Das fasziniert mich zutiefst. Wie so etwas damals möglich war, lässt mich staunen. Aber frag mich morgen noch einmal; meine Antwort wäre wahrscheinlich schon wieder eine andere.
Das kann ich gut nachvollziehen. Welche historische Persönlichkeit fasziniert dich besonders? Oder anders gefragt: Wen würdest du gerne einmal zum Tee einladen?
Auch hier ist meine Neugier zu gross, als dass ich mich auf eine einzige historische Persönlichkeit beschränken könnte. Deshalb würde ich die Gelegenheit nutzen, mein verstorbenes Grosi zum Teetrinken zu treffen und mich mit ihr auszutauschen. Sie ist zwar keine berühmte Figur der Weltgeschichte, aber für mich ist sie eine grossartige, bewundernswerte Frau mit ganz eigener Geschichte.
Was gefällt dir besonders am Lee? Was macht deiner Meinung nach unsere Schule aus?
Ich schätze die überschaubare Grösse und die familiäre Stimmung sehr. Man kennt sich und der Austausch ist persönlich. Die Schüler:innen sind offen, meistens interessiert und bringen tolle Ideen ein. Für mich ist das Lee ein besonderer Ort, weil hier wertvolle Traditionen bewusst bewahrt werden, ohne sich Neuem zu verschliessen. Es gibt viel Raum für neue, mutige Wege im Schulalltag.
Vielen Dank, liebe Mirjam, für das offene Gespräch und deine Perspektiven auf Unterricht, Geschichte und Schulalltag.
Interview geführt von: Alexandra Hauenstein
Bilder: Judith Balla



